Chile/Argentinien
Zum ersten Mal in Südamerika: Wolfgang, Margit, Hermann, Marion und Otto Kunstmann mit einem gemeinsamen Freund Didi Dirnhofer.
Eigentlich ursprünglich nur als Gag gedacht, wurde Südamerika zu einer unserer schönsten Abenteuer…
Meine Brüder Hermann und Otto sind im Internet auf die Kunstmann Brauerei und das Kunstmann Bierfest in Chile gestoßen, die Idee zu unserer ersten gemeinsamen Reise war geschaffen. Das Kunstmann Bierfest war nur der „Aufhänger“ und Beginn unserer Reise. Der Plan war von Valdivia entlang der Anden bis zur südlichsten Stadt am Ende der Welt zu fahren. Zu sechst waren wir unterwegs, wir entschieden uns 2 Allrad Autos zu mieten, um etwas flexibel zu sein.
Die Reise begann mit einer Enttäuschung. Das Kunstmann Bierfest wurde um eine Woche nach hinten verschoben; wir haben darüber erst 2 Wochen vorm Abflug erfahren. Nachdem die Reiseroute schon ausgearbeitet und der Flug und die Unterkünfte bereits seit langen gebucht waren, konnten wir nichts mehr ändern. Aber auch der Besuch der Kunstmann Bierbrauerei, bei der wir auch den Geschäftsführer Armin Kunstmann kennengelernt haben war einzigartig und etwas ganz besonderes.
Anschließend ging das Abenteuer erst richtig los: zuerst für ein paar Tage auf Chiloe , dann auf der Carretera Austral durch Patagonien. Chiloe ist eine wunderschöne, naturbelassene Insel auf der die Zeit stehen geblieben scheint. Bekannt ist die Insel u.a. für die traditionellen „Palafitos“ – am Meer gebaute Stelzenhäuser und für seine Holzkirchen, die UNESCO Weltkulturerbe sind.
Auf der Carretera Austral gleich zwei Hiobsbotschaften:
- auf Grund eines schwerer Unwetter kam es zu einem schweren Unglück mit 15 Toten. Eine Mure verschüttete ein kleines Dorf, die Carretera Austral war für Monate gesperrt. Nur mit einer Fähre war der Süden sporadisch erreichbar.
- war ich bei Caleta Gonzalo in einem Unfall verwickelt, bei dem ein chilenischer Pick-Up in einer unübersichtlichen Stelle mit überhöhter Geschwindigkeit unseren Jeep gerammt hat. Führerschein hatte er keinen, auch Papiere konnte oder wollte er uns nicht zeigen, so ist er einfach nach ein paar Minuten mit seinem schwer beschädigten Fahrzeug weitergefahren. Bei unserem Auto war nur minimaler Schaden und wir konnten die Fahrt Gott sei Dank fortsetzen.
Die Carretera Austral ist eine weitgehend unbefestigte Straße und führt über mehr als 1200 Kilometer entlang der Anden durch die einzigartige, rauhe und wilde Natur Patagoniens. Sie hat uns gut gefallen, dass wir auch 2019 noch einmal nach Patagonien fahren werden.
Beim General Carrera See und Chile Chico fahren wir über die Grenze nach Argentinien zum Bergsteigerparadies El Chalten und zum Perito Moreno Gletscher.
Wieder zurück in Chile war der NP Torres del Paine in Chile war unser Höhepunkt. Neben spektakulären Naturlandschaften ist der NP Torres del Paine ein einzigartiger Lebensraum für Tiere Pflanzen und Vögel. So sahen wir u.a. riesige Herden von Guanacos, Nandus und viele Kondore. Wir übernachteten in der Hosteria Pehoe, es ist vielleicht die Unterkunft mit der schönsten Lage in Patagonien.
Mit der Fähre überquerten wir die Magellanstrasse und haben es nach Tierra del Fuego, nach Feuerland geschafft. Der südlichste Teil von Südamerika gehört zu Chile und Argentinien. Schon den Namen verbindet man mit wilder Landschaft, Abenteuer und unberechenbaren Klimaverhältnissen. Ein kräftiger Sturm weht, kräftige Schauer wechseln mit Sonnenschein, wir wechseln bereits zum 7ten Mal unsere Reifen und wir sehen zum ersten Mal Königspinguine. In Ushuaia sind wir in der südlichsten Stadt Argentinien, wir haben unser Ziel das Ende der Welt erreicht.
Die Einladung von Armin Kunstmann zum Bierfest konnten wir unmöglich ausschlagen. Ein Jahr später hieß es also wieder: auf nach Chile und Argentinien. Auch wenn wir keine ausgesprochene Partygänger sind, hat uns dieses Fest überrascht und begeistert – keine Exzesse, dafür umso mehr Lebensfreude, gute Stimmung und ansteckende Herzlichkeit.
Diesmal lag unser Schwerpunkt auf dem südlichen Abschnitt der Carretera Austral – dem für uns wildesten und zugleich schönsten Teil dieser legendären Straße. Ein absolutes Highlight war die Pfahlbausiedlung Caleta Tortel, deren Holzstege sich wie ein Labyrinth durch die Landschaft ziehen. Mit Villa O’Higgins erreichten wir nach 1.240 Kilometern schließlich das Ende der Straße – ein Gefühl von Weite, Abgeschiedenheit und leiser Ehrfurcht vor dieser grandiosen Natur.
Ursprünglich hatten wir große Pläne: zu sechst wollten wir in den Norden aufbrechen, alles war gebucht, die Vorfreude riesig. Doch dann kam die Pandemie. Eine Woche vor dem Abflug machte uns ein plötzlicher Lockdown einen Strich durch die Rechnung. Ein Jahr später wagten wir einen neuen Anlauf, doch Einreisebeschränkungen und private Veränderungen ließen die Gruppenreise erneut scheitern. Am Ende entschieden Margit und ich, alleine zu starten.
Die Atacama, die trockenste Wüste der Welt, empfing uns mit einer atemberaubenden Schönheit. Es war unsere erste Reise ins Altiplano von Chile und Argentinien. Besonders beeindruckt hat uns die argentinische Puna, die wir gemeinsam mit einem lokalen Guide erkundeten. Dieses Hochplateau im Nordwesten Argentiniens zählt zu den wildesten und spektakulärsten Wüstenlandschaften der Erde – eine fragile Schönheit, die durch riesige Lithiumvorkommen zunehmend bedroht ist.
Über eine Woche waren wir in Höhen zwischen 3.500 und 5.300 Metern unterwegs. Die Höhepunkte reihten sich wie Perlen an einer Kette: Tolar Grande mit seiner surrealen, rötlich schimmernden Wüstenlandschaft, die Fahrten zu den verlassenen Geisterstädten Mina Casualidad und Mina Julia, der fast perfekt geformte Cono de Arita und die ständig wechselnden Landschaften rund um El Peñón. In zahlreichen Lagunen suchten Flamingos nach Nahrung, und das surreale Bimssteinfeld Campo de Piedras Pómez wirkte wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.
Danach führte uns die Reise zurück nach Chile, weiter in den Norden: nach Iquique, Arica, in den Lauca-Nationalpark und bis an die Grenzen zu Peru und Bolivien.
Ein Jahr später zog es uns erneut in diese kargen, faszinierenden Wüstenlandschaften im Norden Chiles und Argentiniens. Schon beim Landeanflug ahnten wir, dass diese Reise anders werden würde – dunkle Wolken kündigten schwere Unwetter an. Unser Plan: noch einmal in die Puna, zu den andinen Bergdörfern Argentiniens und über den Paso San Francisco zurück nach Chile. Doch immer wieder zwangen uns Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche zum Umplanen. Straßen waren teils unpassierbar oder nur mit großem Risiko befahrbar, die Nerven lagen blank.
Besonders spektakulär war die Fahrt zum Balcón de Pissis entlang der Ruta de los Seismiles – der Straße der 6000er. Diese atemberaubende Route führt durch eine der eindrucksvollsten Hochgebirgsregionen der Welt: 19 Gipfel über 6.000 Meter reihen sich hier aneinander. Nach dem Himalaya ist dies das zweithöchste Gebirge der Erde – ein Ort, der Ehrfurcht einflößt und gleichzeitig süchtig macht.